Der Leader-Ansatz für die ländliche Entwicklung: Was ist das?

Die ländliche Entwicklungspolitik ist ein Bestandteil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sie fördert die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum Europas und befasst sich mit wirtschaftlichen, sozialen und umweltrelevanten Fragen.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung der EU lebt in ländlichen Gebieten, die 90 % des EU-Gebietes ausmachen. Leader ist ein innovativer Ansatz im Rahmen der ländlichen Entwicklungspolitik der EU.

Leader steht für "Verbindung zwischen Aktionen zur ländlichen Entwicklung" (franz.: "Liasons Entre les Actions de Dèveloppement de l`Economie Rurale"). Wie man dem Namen entnehmen kann, ist dies eher eine Methode zur Mobilisierung und Umsetzung von ländlicher Entwicklung in lokalen ländlichen Gemeinschaften als ein vorgegebener Satz an durchzuführenden Maßnahmen. Seit dem Start im Jahr 1991 hat die Leader-Initiative sich dafür eingesetzt, den ländlichen Gemeinschaften in der EU eine Methode an die Hand zu geben, um lokale Partner bei der Lenkung der zukünftigen Entwicklung in ihrem Gebiet zu beteiligen.
Das Hauptkonzept hinter dem Leader-Ansatz besteht darin, dass Entwicklungsstrategien angesichts der Vielfalt der europäischen ländlichen Gebiete effektiver und effizienter sind, wenn sie durch lokale Akteure auf lokaler Ebene beschlossen und umgesetzt werden. Der Unterschied zwischen Leader und anderen traditionellen ländlichen Politikmaßnahmen liegt darin, dass Leader eher angibt, "wie" man vorgehen sollte als "was" getan werden muss.

Sieben wesentliche Merkmale fassen den Leader-Ansatz zusammen, die als Set von Instrumenten zusammenwirken:

  1. Territoriale lokale Entwicklungsstrategien
    Der territoriale Ansatz nimmt ein kleines, homogenes, sozial  in sich geschlossenes Gebiet, das häufig durch gemeinsame Traditionen, eine lokale Identität, ein Zugehörigkeitsgefühl oder gemeinsame Bedürfnisse und Erwartungen gekennzeichnet ist, als Zielgebiet für die politische Umsetzung. Solch ein Gebiet als Bezugsgebiet zu haben, erleichtert das Erkennen lokaler Stärken und Chancen aber auch Schwächen.
  2. Bottom-up-Ansatz
    Der Bottom-up-Ansatz bedeutet, dass lokale Akteure an der Entscheidungsfindung bezüglich der Strategie und bei der Auswahl der Prioritäten eingebunden sind, die in ihrem lokalen Gebiet verfolgt werden sollen.
  3. Lokale öffentlich-private Partnerschaften: die lokalen Aktionsgruppen
    Die Einrichtung einer lokalen Partnerschaft, bekannt als "lokale Aktionsgruppe" (LAG) ist ein ursprüngliches Merkmal des Leader-Ansatzes. Die LAG hat die Aufgabe, eine lokale Entwicklungsstrategie festzulegen und umzusetzen, Entscheidung über die Zuteilung ihrer finanziellen Ressourcen zu treffen und diese zu verwalten. Eine LAG sollte öffentliche und private Partner zusammenbringen und die bestehenden lokalen Interessengruppierungen aus den verschiedenen sozioökonomischen Sektoren des Gebietes ausgewogen vertreten.
  4. Integrierte und multisektorale Aktionen
    Leader ist kein sektorales Entwicklungsprogramm; die örtliche Entwicklungsstrategie muss mehrere Aktivitätssektoren integrieren. Die Aktionen und Projekte, die in den lokalen Strategien enthalten sind, sollten als zusammenhängende Einheit verbunden und koordiniert werden.
  5. Innovation erleichtern
    Die Innovation wird dadurch gefördert, dass man den LAG große Freiräume und viel Flexibilität bei der Entscheidung für lokale Aktionen überlässt, die sie unterstützen wollen.
  6. Netzwerkbildung
    Die Netzwerkbildung umfasst den Austausch von Errungenschaften, Erfahrungen und Know-how zwischen Leader-Gruppen, ländlichen Gebieten, Verwaltungen und Organisationen, die innerhalb der EU an der ländlichen Entwicklung beteiligt sind, unabhängig davon ob sie unmittelbare Leader-Begünstigte sind. Netzwerkbildung ist ein Weg, bewährte Verfahren zu übertragen, Innovation zu verbreiten und auf den Erkenntnissen aufzubauen, die aus der lokalen ländlichen Entwicklung gewonnen wurden. 
  7. Kooperation
    Kooperation geht über die Netzwerkbildung hinaus. Dazu gehört, dass eine lokale Aktionsgruppe ein gemeinsames Projekt mit einer anderen Leader-Gruppe oder mit einer Gruppe, die einen ähnlichen Ansatz in einer anderen Region, einem anderen Mitgliedsstaat oder sogar in einem Drittland verfolgt, unternimmt. 

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