Standorterhalt, Personalbedarf und Finanzierung müssen gemeinsam betrachtet werden
Die Einheitsgemeinde steht bei der Weiterentwicklung ihrer Kindertageseinrichtungen vor einer Grundsatzfrage: Sollen alle bestehenden Einrichtungen in der Fläche erhalten bleiben, müssen auch die daraus folgenden personellen, baulichen und finanziellen Konsequenzen benannt werden.
Der Wunsch nach wohnortnaher Kinderbetreuung ist nachvollziehbar. Kurze Wege, vertraute Umgebung und feste soziale Bezüge sind gerade im ländlichen Raum wichtige Faktoren für Familien. Das Kita-Konzept greift diesen Wunsch auf und beschreibt Kindertageseinrichtungen ausdrücklich als Teil der Daseinsvorsorge und als Standortfaktor für eine attraktive Einheitsgemeinde.
Gleichzeitig zeigt das Konzept: Der Erhalt aller Standorte ist nicht folgenlos.
Kleine Einrichtungen brauchen trotzdem Mindestpersonal
Auch wenn Kinderzahlen sinken, müssen Einrichtungen betriebsfähig bleiben. Jede Kita braucht Personal für Aufsicht, Kinderschutz, Öffnungszeiten, Leitung, Vertretung und pädagogische Arbeit. Dieses organisatorische Mindestmaß fällt unabhängig davon an, ob eine Einrichtung voll ausgelastet ist oder nicht.
Das führt insbesondere bei kleineren Einrichtungen zu einer besonderen Herausforderung. Wenn weniger Kinder betreut werden, verteilen sich fixe Personal- und Betriebskosten auf weniger Plätze. Dadurch steigen die Kosten pro betreutes Kind.
Die Frage lautet deshalb nicht nur: Wollen wir alle Einrichtungen erhalten? Sondern auch: Sind wir bereit, das dafür notwendige Personal und die damit verbundenen Kosten dauerhaft zu tragen?
Sinkende Kinderzahlen verschärfen die Abwägung
Die demografische Entwicklung verstärkt diese Diskussion. Die Geburtenzahlen in der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte sind deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig bleiben die Erwartungen an Qualität, Öffnungszeiten, Inklusion, pädagogische Arbeit, Ausstattung und Verlässlichkeit hoch.
Das Konzept macht damit sichtbar, dass politische Zielsetzungen miteinander verbunden sind. Wer kurze Wege will, muss dezentrale Strukturen finanzieren. Wer verlässliche Öffnungszeiten will, muss Personal vorhalten. Wer Qualität will, muss Entlastung ermöglichen. Und wer alle Einrichtungen erhalten will, muss auch die Auswirkungen auf den Haushalt benennen.
Gerechte Verteilung der Kosten notwendig
Zur Bewirtschaftung der Kindertageseinrichtungen sind jährlich erhebliche Mittel notwendig. Den Kosten stehen Zuweisungen gegenüber, die jedoch nicht ausreichen, um die gesamten Aufwendungen zu decken. Das verbleibende Defizit muss durch Eltern und Gemeinde finanziert werden.
Damit stellt sich auch die Frage nach einer gerechten Verteilung. Gute Kinderbetreuung ist eine öffentliche Aufgabe und ein wichtiger Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge. Gleichzeitig muss vermieden werden, dass einzelne Gruppen einseitig bevorzugt oder andere übermäßig belastet werden.
Das Konzept legt deshalb offen, dass Qualität, Standortstruktur und Finanzierung zusammen betrachtet werden müssen. Eine Entscheidung für mehr Qualität und den Erhalt aller Einrichtungen ist zugleich eine Entscheidung über Personal, Investitionen und Kostenverteilung.
Bürgermeister: „Man kann nicht alles gleichzeitig wollen, ohne die Folgen zu tragen“
Bürgermeister Andreas Brohm erklärt:
„Der Wunsch nach allen Einrichtungen, kurzen Wegen und hoher Qualität ist verständlich. Aber wir müssen ehrlich bleiben: Wenn alle Standorte erhalten werden sollen, hat das Konsequenzen. Dann brauchen wir Personal, Investitionen und eine faire Finanzierung.“
Weiter sagt Brohm:
„Es wäre nicht seriös, nur über Wünsche zu sprechen und die Folgen auszublenden. Das Kita-Konzept zeigt auf, welche Zusammenhänge bestehen. Jetzt muss politisch beraten werden, welchen Weg die Einheitsgemeinde gehen will.“
Beratung soll Grundlage für künftige Entscheidungen schaffen
Mit dem Kita-Konzept liegt eine strategische Grundlage vor, um die Kinderbetreuung in der Einheitsgemeinde nicht nur kurzfristig, sondern mit Blick auf die kommenden Jahre zu betrachten.
Die Verwaltung empfiehlt, bei der Umsetzung des Konzeptes Prioritäten zu setzen und regelmäßig zu prüfen, wie sich Kinderzahlen, Personalbedarf, bauliche Anforderungen und finanzielle Leistungsfähigkeit entwickeln. Nur so kann eine Kita-Landschaft gestaltet werden, die Familien unterstützt, Beschäftigte nicht überfordert und für die Gemeinde dauerhaft tragfähig bleibt.