In einer sehr würdigen und bewegenden Atmosphäre sind am Mittwoch in Tangerhütte weitere Stolpersteine verlegt worden. Sie erinnern an Menschen, die hier gelebt und gearbeitet haben und während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden. Angehörige, Schülerinnen und Schüler sowie Vertreter der Stadtgesellschaft gestalteten die Verlegung gemeinsam.
Die Gedenkveranstaltung begann am Vormittag mit einleitenden Worten von Herrn Groß. Bürgermeister Andreas Brohm erinnerte anschließend daran, dass die Menschen, denen die Stolpersteine gewidmet sind, einst ganz selbstverständlich Teil des Lebens in Tangerhütte waren.
„Die Menschen, an die diese Stolpersteine erinnern, haben hier gelebt, gearbeitet, Geschäfte geführt, Nachbarn gehabt und waren Teil dieser Stadt. Ihre Geschichte ist deshalb nicht irgendeine Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es ist auch die Geschichte Tangerhüttes“, sagte Brohm.
Auch Kevin Lohde richtete persönliche Worte an die Anwesenden. Schülerinnen und Schüler stellten im weiteren Verlauf die Lebensgeschichten der Menschen vor, an die mit den neuen Stolpersteinen erinnert wird.
Bewegende Begegnung mit der eigenen Familiengeschichte
Besonders bewegend war die Verlegung für Valentina Holt, die gemeinsam mit Angehörigen nach Tangerhütte gekommen war. Die unmittelbare Begegnung mit der Geschichte ihrer Familie an den Orten, an denen ihre Angehörigen einst gelebt hatten, machte die Bedeutung des Erinnerns auf sehr persönliche Weise spürbar.
Auch Holt selbst wandte sich mit persönlichen Worten an die Anwesenden. Im Anschluss wurden Blumen an den Stolpersteinen niedergelegt.
Die Veranstaltung führte anschließend weiter zur zweiten Verlegestelle in der Schillerstraße 4. Auch dort wurde in stiller und würdiger Atmosphäre an die früheren Bewohner erinnert.
Erinnerung mitten im Alltag
Die neuen Stolpersteine machen Geschichte genau dort sichtbar, wo sie stattgefunden hat – vor den Häusern, in denen Menschen gelebt, gearbeitet und ihren Alltag verbracht haben.
Bürgermeister Andreas Brohm verband die Erinnerung deshalb auch mit einem Blick auf die Gegenwart:
„Geschichte wiederholt sich nicht einfach. Aber Geschichte kann uns sensibilisieren. Sie zeigt uns, wohin es führen kann, wenn Menschen wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer Zugehörigkeit ausgegrenzt werden – und wenn andere schweigen, wegsehen oder mitlaufen. Deshalb ist Erinnerung keine Beschäftigung nur mit der Vergangenheit. Sie ist auch ein Auftrag für unser Handeln heute.“
Ausgrenzung, Wegschauen und Mitlaufen dürften deshalb keine Option sein.
Viele Beteiligte machten das Erinnern möglich
Der Verlegung waren umfangreiche Recherchen und Vorbereitungen vorausgegangen. Besonders engagiert hatten sich Albrecht Will, der Heimatverein Tangerhütte um seinen Vorsitzenden Gerhard Borstell sowie die Gemeinschaftsschule „Wilhelm Wundt“ mit Evelyn Benze und beteiligten Schülerinnen und Schülern.
Auch die Angehörigen wurden intensiv in die Vorbereitung eingebunden. Mit Kevin Lohde sowie Valentina Holt und weiteren Familienangehörigen waren Menschen nach Tangerhütte gekommen, für die die Verlegung weit mehr als ein historisches Gedenken bedeutete.
Brohm dankte allen Beteiligten, Unterstützern und Sponsoren für ihr Engagement:
„Mit den Stolpersteinen bekommen die Namen und Lebensgeschichten dieser Menschen dauerhaft einen sichtbaren Platz im heutigen Tangerhütte. Dass wir ihnen diesen Platz zurückgeben können, ist dem Engagement vieler Menschen zu verdanken.“